Sonntagsgedanken

“Ich finde wir sollten unser eigenes Land aufmachen.
Nur du & ich. Ohne irgendwelche Menschen.
Das wär schön!”

– Laura, März 2017

Moin.
Heute mal einen Blogeintrag, ich meine so einen Richtigen.
Früher habe ich das immer gemacht – geschrieben, ganz viel geschrieben. Heute bin ich oft zu faul & versuche vieles mit Zitaten oder Fotos auszudrücken. Aber seit einiger Zeit, oder vielleicht auch schon immer, liegt mir etwas auf der Seele.
Freundschaft – Was ist das überhaupt?

Ich komme nicht vom Land, wo du quasi dein ganzes Leben von denselben Menschen umgeben bist. Ich bin ein Marinekind.
Mir wurde das Wandern so gesagt in die Wiege gelegt.
Mit dem Umherwandern habe ich dann auch schnell verstanden, wie das mit Menschen funktioniert. Wenn du erst einmal weg bist, leben die Menschen ihr Leben weiter, sie warten nicht auf einen & das ist auch gut so.
Leute vom Land sind eigentlich auch nur immer-immer befreundet, weil sie sich eben in die Wiege gelegt bekommen haben, ich habe dagegen immer neue Menschen in die Wiege gelegt bekommen. Gezwungenermaßen.

Mein Leben war geprägt von Umzügen, danach von Auslandaufenthalten, die sich in die Länge zogen. Weil ich nicht nach Hause wollte, oder gar nicht mehr wusste, wo mein Zuhause überhaupt ist. Was nicht unbedingt schlechter ist, ich glaube mein Horizont ist um einiges weiter als das derjenigen, die immer noch in meiner Siedlung wohnen, aus der ich mit zwölf Jahren weggezogen bin.

Anstatt einer besten Freundin aus Kindergartenzeiten, werden bei mir die Leute pro Kapitel meines Lebens ersetzt oder erweitert.
Früher habe ich mich immer nach diesem Cliquenleben gesehnt. Am Wochenende mit den zwanzig Leuten rumhängen, mit denen man seit zwanzig Jahren rumhängt. Mittlerweile weiß ich, dass ich viel zu schnell & oft genervt von Leuten bin, um sowas überhaupt zwanzig Jahre durchhalten zu können – jedes Wochenende dieselben Leute. Mord & Todschlag.

Mein Leben ist genauso zerstreut, wie ich selber. Ich habe überall Menschen, die ich mag, mittlerweile auf der ganzen Welt. Das Gute daran ist, du bist immer unterwegs & vertraust dich denen an, die dir in deiner Situationen gerade am besten helfen können & nicht von der Auswahl, die du zwangsläufig gerade vor dir hast. Mittlerweile ist es mir egal, wer meine Bezugspersonen sind, ich hänge nicht an einer bestimmten Person, was nicht heißen soll, dass ich meine akutellen Herzmenschen nicht unendlich gerne habe, das habe ich immer. Aber wichtig ist eben auch, dass du jemanden hast, zu dem du überhaupt Bezug hast. Wer das ist, ist im Prinzip egal, Hauptsache du bist nicht alleine.

Manchmal denke ich, dass ich dadurch gefühllos wirke, wenn ich beim Abschied zur Aufmunterung zu jemand sage, dass wir schon neue Leute kennen lernen werden.
Meine Mutter sagt dazu, das ist das Beste, was man sich für sein Marinekind wünschen kann. Na Hauptsache sie ist fein raus. Aber sie weiß, dass ich eben nicht immer so war.

Ja, ich glaube, ich wirke dadurch oft gefühllos, gerade für die Leute, die anderes gewohnt sind. Vielleicht mache ich es mir dadurch auch nur einfach. Oder ich bin realistisch? Aber mal ehrlich, von den „Wir sehen uns bald wieder/ich komme dich bald besuchen!“ – Menschen wirst du, wenn überhaupt, nur die Hälfte, wiedersehen & nur ein Viertel davon wirst du öfters wiedersehen.

Ich meine, es ist ja nicht so, dass ich alle abschieße, sobald ich weg bin, manche wohnen in Timbuktu, mit denen bin ich seit zich Jahren befreundet & manche gehen mir nach drei Monaten in derselben Stadt auf‘n Sack. So ist das eben. Aber ich weiß eben auch, dass ich schon irgendwie neue, coole Leute kennen lernen werde, egal wo ich bin. Und ich weiß auch, dass wenn die Zeit einer Freundschaft vorbei ist, auch wenn sie wirklich schön war, die Zeit eben vorbei ist.
Neues Kapitel, neue Menschen.

Wo wir auch beim Punkt wären.
Kennt ihr diese Freundschaften – diese „Eis-ess-Freundinnen“?
Laura (mein Herzstück, mit der ich von allen am meisten Kontakt habe, obwohl sie in Australien wohnt) hat sich eben noch beschwert, dass sie immer wieder dieses Wort von mir hört. Eis-ess-Freundschaften.
Das sind die Freundschaften, mit denen man sich alle drei Monate mal trifft, wenn überhaupt. Man versucht monatelang einen Termin zu finden, wo man in anderen Freundschaften zwei Stunden bevor man sich trifft, etwas ausmacht. Hat man einen Termin gefunden, geht man zusammen Eis essen, oder eben überhaupt Essen (ihr wisst schon, was ich meine), um alles in Kurzfassung zu erzählen, was die letzten 100 Jahre passiert ist. Das sind die Eis-ess-Freundschaften.

Nun stellt sich nach meinen ganzen Auslandaufenthalten & Umzügen die Frage, was mir diese Eiss-ess-Freundschaften überhaupt bringen. Nichts. Man trifft sich nur noch, weil man das Gefühl hat, man muss sich treffen. Was nicht heißen soll, dass es nicht schön ist mal Eis essen zu gehen, aber dafür könnte ich mich auch bei Tinder anmelden.

Das ist mir insbesondere auch durch Socialmedia aufgefallen, besonders wenn ich im Ausland bin. Plötzlich wird es zur Belastung, diesen ganzen Leuten zu antworten, die einem überhaupt nicht wichtig sind, denen du nicht wichtig bist oder nicht mehr & man schreibt ihnen nur zurück, weil…ja warum eigentlich? Höflichkeit?
Das war damals der Grund, wieso ich letztendlich mein Facebook gelöscht habe, denn wer wirklich mit mir befreundet ist, der wird das auch ohne  Socialmedia bleiben & von denen erfahre ich nicht nach vier Monaten beim Eisessen “Übrigens, ich bin wieder single”, sondern war live dabei mit Taschentuch & Schokolade.

Ich mag einfach keine Oberflächlichkeit &…Eiss-ess-Freundschaften erst recht nicht. Da habe ich lieber meine Handvoll Herzmenschen, anstatt tausend Menschen, die eine Belastung sind, sich um sie zu kümmern.

Ja, so ist das mit Menschen. Menschen sind kompliziert, ich bin kompliziert & jeder nervt sich manchmal, aber wichtig ist doch zu wissen, wer einem überhaupt noch gut tut oder wer nur Belastung ist.

Alena

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One thought on “Sonntagsgedanken

  1. hmm, ein richtig guter Blogpost, der mich zum Nachdenken anregt. Ich muss wohl so einige Freundschaften überdenken; zur Zeit ist bei mir unglaublich viel los und ich versuche überall zu sein, mit allen Kontakt zu halten und gleichzeitig zig neue Freundschaften zu schliessen. Unmöglich, natürlich.

    Danke für den Post, ich wünsche dir einen schönen Ostermontag und freue mich auf deinen nächsten Post 🙂 xx

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